Dienstag, 7. November 2017


ein politischer Philosoph, der ehrlich wäre, hätte es mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht leicht, man würde sich gewiss sehr über ihn ärgern, oder man würde ihm nicht zuhören, womit alle seine Anstrengungen für die Katze wären und er sich am Ende sagen müsste, dass er umsonst gelebt habe, aber wer hat sich nicht schon sagen lassen müssen, dass er umsonst gelebt habe, wir leben nicht mehr und nicht weniger umsonst als du, lieber Vogel, wir zählen nicht mehr und nicht weniger als du, hüp­fendes, aufgeregtes Bällchen aus Flaum, was soll bei alledem die politische Philosophie, vor Leuten, wir erklären dem Vogel, dass die Philosophie vielleicht doch etwas Schönes sein könnte, wenn man sie richtig betreiben würde, die Menschen haben sie nur nie richtig betrieben, Federtier, die Menschen haben meistens falsch philosophiert, die Menschen haben sich zutode philosophiert, aber was denken wir da, wenn wir Philosoph wären,


Dienstag, 24. Oktober 2017



würden wir wüste Prophezeiungen ausstossen, würden wir ja naturgemäss das Ende prophezeien, wir würden rufen, dass es jetzt dann bald fertig sei, das hat uns der krebkranke Vater einmal gesagt, kurz vor seinem Tod, es sei jetzt dann bald fertig, die hinwelken wie Gras, es sei jetzt dann bald fertig, das würden wir sagen, und das würde überhaupt nichts bewirken, wir könnten ebensogut sagen, dass jetzt alles bis in alle Ewigkeit so bleiben würde, wie es ist, würden wir dadurch freundlichere Wesen, würden wir liebens­würdiger, sanfter, offener, würden die insgeheim Liebenden ihre grossen Geheimnisse offenbaren,

würden sie sich finden, oder würden sie weiter leiden, genau wie vorher weiter warten, weiter träumen, weiter verzweifeln, obstupescite et admiramini, wären wir weniger verlogen oder weniger habgierig, das wäre gewiss gar nicht erwünscht, wenn plötzlich alle Verloge­nen, Verbohrten, Hartherzigen aus ihrer Art fallen würden, unsere letzten Stündchen hier auf Erden würden uns gewiss nicht verschönert, wenn sie plötzlich von allerlei süsslichen Freund­schaftbezeugungen und heuchlerischem Gewäsch erfüllt wären, wir würden die Bösen, die uns jetzt das Leben sauer machen, erst recht als Teufelsspuk empfinden,

Freitag, 6. Oktober 2017


und drücktest, nein, niemals, nur keine Aenderungen, es soll alles so bleiben, wie es ist, die Bösen sollen bis zuletzt böse bleiben und die Guten bis zu­letzt gut, die Sache soll ihren Lauf nehmen, und wir tragen das unsere dazu bei, indem wir uns nicht äussern und keinesfalls politischer Philosoph werden, das ist geradezu ein Angsttraum von uns, sagen wir zum Vogel, dass wir politischer Philosoph sein könnten oder überhaupt Politiker,

sagt mein lieb, da sitzen wir lieber in einer fremden Stadt auf einer beliebigen Parkbank und unterhalten uns mit einem lieben Vogel, als dass wir uns irgendwo wichtig machen mit unseren unmassgeblichen Spatzen­hirnmeinungen, fluctuate et vacillate, und nun vergegenwärtige man sich die viere, wie sie, im zierlichsten Raum, beisammen, gegen einander über sitzen in der seligsten Welt von lindem Lufthauch angeweht, auf glänzenden Wellen geschaukelt, von nun an,

Dienstag, 26. September 2017


man denke das weibliche Paar, wie wir sie vor kurzem geschildert gesehen, das männliche, mit dem wir schon seit Wochen ein gemeinsames Reiseleben führen, und wir sehen nach einiger Betrachtung sämtlich in der anmutigsten, obgleich gefährlichsten Lage, daz ich sei, in Düsseldorf sagt der dicke Taxichauffeur, den wir uns ausgesucht haben, weil wir hoffen, dass er auf unsere Frage nach einem Eros-Center verständnisvoll antworten würde, klar, das haben wir, demgemäss, das Eros-Center ist ganz in der Nähe, man braucht kein Taxi, es ist gleich hinter dem Bahnhof in einem grossen Hof, der durch hohe Mauern so abgeschirmt wird, dass die Reisenden in den Zügen das Treiben im Hof nicht sehen können, inebriamini,




Sonntag, 10. September 2017

Freitag, 8. September 2017


wir haben Verständnis für die Befürchtungen der Liberalen, wonach der Staatssozialismus den einzelnen entmündige und ihm das Recht und die Pflicht zur Selbstverantwortung nehme, wir stimmen zu, wenn sie erklären, dass der Staat mit seinen Zwangsversicherungen zu einer allgemeinen Kleinkinderbewahr­anstalt, zu einer Suppenanstalt werde, ja, wir sind eine Sup­penanstalt, wir bauen, wie die Römer, Theater für den Pöbel und richten Spiele aus, zum Ver­gnügen und zur Unterhaltung der Massen, und unsere Politiker gehen, wie die römischen Sena­toren, mit der weissen Toga einher und werben um die Stimmen der Wähler und drücken jedem die Hand, aber es geht nicht anders,

es geht nicht anders, wir haben nur die Wahl zwischen zwei Zuchthäusern, dem liberalen und dem sozialistischen, mich, daz ich sei, ein so strukturierter Despotismus werde Einfluss auf das gesamte Kulturleben nehmen wie in der Antike, er werde damit jene Grabesstille herbeiführen, in der Venedig endete, weggeräumt, der Unter­gang der politischen Freiheit und der nationalen Gesittung wird das Ende sein, dem sie zu­führt, und es wird einerlei sein, ob dieses Ende auf dem Wege der konservativ-sozialistischen oder der sozialdemokratischen Organisation erreicht werden wird, der Ruin der Kultur, der dann eintritt, wird in beiden Fällen derselbe sein,

fester, neolithische Revolution, die Tragödie beginnt, die Erde wird gezwungen, mehr herzugeben, als sie zu geben bereit war, et non a vino movemini et non ebrietate, ich erwiderte, ich sehe eine fliegende Schriftrolle, zwanzig Ellen lang und zehn Ellen breit, nach seiner minne siech, da sprach er zu mir, das ist der Fluch, der hinauszieht über das ganze Land, denn jeder Dieb wird von nun an jenem Fluch gemäss weggeräumt, und jeder Meineidige wird von nun an demgemäss weggeräumt, quoniam miscuit vobis Dominus spiritum soporis,

man kann nicht sagen, dass man nicht gewarnt worden wäre, es gab genügend Leute, die hell­sichtig genug waren, um zu sehen, was auf die zukam, Eugen Richter hat beispielsweise 1891 in seinen Sozialdemo­kratischen Zukunftsbildern Wesentliches von dem vorweggenommen, was später in den realsozialistischen Ländern Wirklichkeit geworden ist, in Form eines fiktiven Tage­buches schildert ein zunächst begeisterter Sozialdemokrat den Sieg der Revolution und die an­schliessende Umgestaltung der Gesellschaft, Verstaatlichung, Auflösung der Familie, Herstellung sozialer Gleichheit, Organisation der Arbeit und des Konsums,