Mittwoch, 11. Juli 2007

es geht uns alten Europäern übrigens mehr oder weniger allen herzlich schlecht, unsere Zustände sind viel zu künstlich und zu kompliziert, unsere Nahrung und Lebensweise ist ohne die rechte Natur, und unser geselliger Verkehr ohne eigentliche Liebe und Wohlwollen, wenn Antigone kommt, jedermann ist fein und höflich, aber niemand hat den Mut, gemütlich und wahr zu sein, so dass ein redlicher Mensch mit natürlicher Neigung und Gesinnung einen recht bösen Stand hat, zu meinem Garten, a cold coyote calls, man sollte oft wünschen, auf einer der Südseeinseln als sogenannter Wilder geboren zu sein, um nur einmal das menschliche Dasein ohne falschen Beigeschmack, durchaus rein zu geniessen, und es scheut sie der Mensch,
denkt man sich in deprimierter Stimmung recht tief in das Elend unserer Zeit hinein, so kommt es einem oft vor, als wäre die Welt nach und nach zum Jüngsten Tage reif, und das Uebel häuft sich von Generation zu Generation, denn nicht genug, dass wir an den Sünden unserer Väter zu leiden haben, sondern wir überliefern auch diese geerbten Gebrechen, mit unsern eigenen vermehrt, unsern Nachkommen, brach ab, kaum weiss zu sagen, unser Landvolk, hat sich freilich fortwährend in guter Kraft erhalten und wird hoffentlich noch lange imstande sein, uns nicht allein tüchtige Reuter zu liefern, sondern uns auch vor gänzlichem Verfall und Verderben zu sichern, way out in the wilderness, es ist als ein Depot zu betrachten, aus dem sich die Kräfte der sinkenden Menschheit immer wieder ergänzen und anfrischen,

Dienstag, 10. Juli 2007

aber gehen Sie einmal in unsere grossen Städte, und es wird Ihnen anders zumute werden, et Deus clarificatus est in eo, beim Abendessen führte der Chef aus, dass unzählige Arbeiten, die wir seit der Machtübernahme durchgeführt hätten, in der Oeffentlichkeit gar nicht in Erscheinung getreten seien, so hätten wir kein Wort darüber verloren, dass Zehntausende von Menschen, die ihr Dasein während der Systemzeit in recht zweifelhafter Weise gefristet hätten, von uns wieder in anständige Existenzen gebracht worden seien, die schwesterlichste der Seelen, Aufvolkung, sagte der Chef, Aufvolkung, ein Halbgott, meine Myrrhen, doch wir wollen uns der hypochondrischen Gedanken entschlagen, wie geht es Ihnen, was machen Sie, wie haben Sie sonst heute gelebt, erzählen Sie mir und geben Sie mir gute Gedanken, meine Würze, Kichererbsen, wer mit Namen, geben Sie mir gute Gedanken, a cold, den Demokrit töteten die Läuse, den Sokrates andere Läuse, sie sind, nur die Freundschaft vermag bei den Menschen alle seelischen und geistigen Vorzüge zu entwickeln, ass meinen Seim,
Freundschaft, Liebe und Pietät sollten geheimnisvoll behandelt werden, man sollte nur in seltnen, vertrauten Momenten davon reden, sich stillschweigend darüber einverstehn,
vieles ist zu zart, um gedacht, noch mehreres um besprochen zu werden, die mit den Gaben ihm nahn, was Sie haben, wäre demnach, coyote, aber der Mut, sie versprachen sich das Grösste, das Menschen ausdenken und sich versprechen können, calls, meinen Honig, was ist los, der Mut von ihnen ist gross, sehr viel ist los, trank meinen Wein,
als die bei ihrem Sohn zu Besuch weilende Mutter die Schublade des alten Schreibtisches öffnete, der im Besuchszimmer stand, fand sie darin, neben einem Band Tolstoi, neben schwarzen Filmrollen Ferienfilme 1-4 und Tonbandkassetten Rolling Stones 1-3 einen der kleinen, quadratischen grünen Zettel, die ihre Schwiegertochter als Notizpapier verwendete, meine Milch, von der Hand ihres Sohnes war auf diesem Zettel geschrieben märchenartig grüssen Rosen, und sie glühen wie Liebesboten, von den Mandelbäumen fallen tausend weisse Blütenflocken, in der Ferne schwanken traumhaft weisse Lilien, lichtumflossen, und die Mutter freute sich, sie dachte, ihr Sohn, der als Kind gedichtet hatte, dichte noch immer, bei ihrer geistigen Uebermacht, ihr Sohn, dachte sie, ist vielleicht doch ein Dichter, er wird ein grosses Buch schreiben, ihr Vorrecht einer ewigen Jugend fortwährend geltend zu machen suchen,
warum wollen immer alle ein Buch schreiben, wenn sie sonst nichts können, wenn es ihnen ein ganzes Leben lang nie gelingt, eine Frau in ihr Bett zu bringen, wollen sie ein Buch schreiben, der Mensch muss wieder ruiniert werden,

auch sie will ein Buch schreiben, aber erst, wenn sie sich nicht mehr bewegen könne, es füllen das Herz ihm ihre Freuden, und dabei ist es gar nicht so wichtig, ob man ein Buch schreibt oder nicht, es kommt nicht darauf an, es kommt nur auf das an, was man ist und was man tut, esset, wir wandeln alle in Geheimnissen, wir sind von einer Atmosphäre umgeben, von der wir noch gar nicht wissen, was sich alles in ihr regt und wie es mit unserm Geiste in Verbindung steht, Gesellen, esset, man braucht nicht Bücher zu schreiben, man braucht nicht Gedichte und Schauspiele zu machen, um produktiv zu sein, und kaum weiss er zu brauchen,
es gibt auch eine Produktivität der Taten, werdet trunken in Liebe, die Produktivität der Taten ist die richtige Produktivität, die Produktivität, die sich ergibt, wenn man nicht zu Taten gelangt, ist nicht die richtige Produktivität, das Gut, versuchen auch Sie, zu Taten zu gelangen, scheuen Sie sich nicht zu sehr, schämen Sie sich nicht, seien Sie tapfer, es ist die Tat, die zählt, auch wenn es so aussieht, als wäre die Tat das Falsche, als wünschte niemand die Tat, werdet, Sie müssen, wenn man die Tat nicht wünscht, die Dinge so umkrempeln, dass man eben diese Tat wünscht, trunken, das ist schwierig, das gebe ich zu, Sie sind ja immer von Menschen umgeben, die die Tat nicht wünschen, Sie werden ja gerade deshalb ins Vertrauen gezogen, in Liebe, weil es den Anschein macht, als ob auch Sie die Tat nicht wünschten,
Sie werden geschätzt, weil Sie so uneigennützig erscheinen, weil Sie niemanden bedrängen, Sie Armer, gerade für das Verkehrte werden Sie geschätzt, y su fortaleza en el ombligo de su vientre, der Auszug der jüdischen Stämme aus Aegypten sei Fiktion, einen Exodus habe es nie gegeben, er sei eine Erfindung eines Schreiberlings, auch das Grossreich Davids habe es nie gegeben, si Deus clarificatus est in eo, und damit habe es auch nie einen dichtenden Grosskönig David gegeben, einen das Hohelied dichtenden Weltweisen, und Polyxena,
was es gegeben habe, seien rivalisierende Stämme gewesen, Mini-Staaten, die nie lange bestanden hätten und auch nie unabhängig gewesen seien, man sei immer unter fremdem Joch gestanden, man sei immer tributpflichtig gewesen, su cola mueve como un cedro, einmal Aegypten, dann das neuassyrische Grossreich, dann die Neubabylonier, dann die Perser, dann Alexander der Grosse und schliesslich die Römer, et Deus clarificabit eum, warum bewegen uns manche Stimmen so ausserordentlich, trüb noch, es scheint, als ob wir in uns gewisse Urbilder von Frieden und Glück tragen würden, in den Genen verankerte Träume, und immer warten wir auf den entscheidenden Ruf, warten wir, dass uns jemand den Weg zeigt, in semet ipso, mehr noch, wir warten, dass uns jemand einlädt, mehr noch, dass uns jemand freundlich einlädt, die Türe öffnet, zur richtigen Wohnung, zur richtigen Speise führt, zum Frieden und zum Glück, und in den göttlichen Stimmen der Geliebten erklingen diese Verheissungen, schafft, und wo stehen Sie, sind Ihre tausend Seiten noch immer nicht fertig, in einem Jahr tausend Seiten, das sollte man zustande bringen, verschwendet,

Montag, 9. Juli 2007