Dienstag, 28. August 2007

ein merkwürdiger Verein, die Art und Weise, mit welcher er den schönen Schein aufrechterhält, ist absolut bewunderswert, solche Leistungen waren bisher nicht selbstverständlich, solche Leistungen gelingen nur jenen, die es verstehen, in die soliden alten Kleider zu schlüpfen und damit Theater zu spielen, den Kreuzbrunnen wieder, während man früher fleissig war, pflichtbewusst, anständig, treu, so spielt man heute den Fleissigen, den Pflichtbewussten, den Anständigen und den Treuen so perfekt, dass man den Betrug selber glaubt, es wimmelt nur so von diesen neuen Gläubigen,
morgen werde ich ordentlich den Kreuzbrunnen wieder trinken und dann bald wieder ein ordentlicher Mensch mit Folge werden, dem Weisen sind es Hanswurste, Myrrhen und Aloe, wenn es wenigstens Zyniker wären, böse Spötter, die sich über die Spielchen amüsieren, die sie veranstalten, aber es sind keine boshaften Zyniker und Ausbeuter, es sind ernsthafte Fleiss-Darsteller, gläubige Idioten, die an die hohlen Reden, die sie verbreiten, glauben, die an die Zukunft glauben, die an ihre Versprechungen glauben, an ihre Tatkraft, ihre Umsicht, ihre Projekte, was, meine Gute, was, meine Wunderbare, sagte der Herr mit Anzug und Kravatte, können wir Menschen der Wahrheit, wir Aufrichtigen, Aufrechten, Redlichen, unter diesen Umständen tun,
Mensch mit Folge, wir wenden uns natürlich von diesen elenden Zuständen ab, wir wollen möglichst nichts davon sehen und nichts davon hören, wir wollen mit allen diesen Ungeheuerlichkeiten nicht das Geringste zu tun haben, und schaudert es, uns graust es, aber wir wenden uns nur in der Theorie von dieser Welt ab, in der Praxis sind wir mit ihr auf das engste verknüpft und verbunden, wir leben in ihr, wir leben von ihr, so wie die andern, die Parasiten, genau so, wir sind selber ein Parasit und haben ein Interesse daran, dass unser Wirtstier noch eine Weile weiter existiert, there's no water,
wir unterstützen das Ganze, ja, du hörst richtig, du Grossartigste, unterstützen die Sache aktiv, wir lächeln, wenn etwas ganz besonders Dummes gesagt worden ist, wir stimmen bei, wir helfen sogar mit, wenn es darum geht, den Kult zu zelebrieren, wir tun es den anderen gleich, in your well, wie sollten wir es ihnen nicht gleichtun, wir lassen die Dummen für uns wirken, die seltsame Bande, den neuen Verein, der an die Macht gelangt ist und sich dort halten kann, viel besser und leichter als die infamsten und verschlagensten Herrscher, und all die trefflichen Würzen, es funktioniert, man glaubt es kaum, es funktioniert wunderbar, besser als je zuvor etwas funktioniert hat, wie unvollkommen doch diese früheren Zustände waren, wie instabil die Sklavenhaltergesellschaften der Antike, wie zerbrechlich die feudalistischen Gebilde des Mittelalters, wie fiebrig und krank diese Moderne mit ihrem Liberalismus, ihrem Kapitalismus, ihrem Sozialismus,
wir wollen indessen in Demut und Bescheidenheit, wenn es je wahre Herren der Geschichte gab, so sind wir diese wahren Herren, sagte der Herr lächelnd, dem Fernern entgegengehen, und was müssen wir tun, damit diese Zustände weiterhin so erfreulich bleiben, wie sie es jetzt sind, die Antwort ist einfach, die Antwort ist wunderbar, wir müssen nichts tun, gar nichts, nur schweigen, zugegeben, das Schweigen ist manchmal etwas anstrengend, aber diese Anstrengung werden wir doch wohl noch auf uns nehmen können, es ist ja die einzige Anstrengung, die wir noch kennen,
wir müssen schweigen, und zwar bis ans Ende, wie ein Garten-Brunn, wir müssen auch fünf Minuten vor Schluss noch schweigen, und ich denke, ich bin nicht der einzige, der schweigt, es gibt immer mehr, die schweigen, die Klugen wissen, dass man schweigen muss, die Geistesgeschichte, meine Liebe, rief der Herr und zog die Augenbrauen hoch, denn gestaltlos schweben umher, warum haben wir, mit unserem grossen und leistungsfähigen Hirn, nicht leben gelernt, warum hatte die Unzahl der Lehren, Anweisungen, Philosophien, Religionen, Mythen keine Wirkung, es ist Geist da, das spüren wir, aber nicht genug Geist, was da ist, genügt nur, um das Allerschlimmste zu verhindern, niemals aber, um eine dauerhafte Ordnung zu begründen,
et vos igitur, während dieser ganzen langen Entwicklung, von 600 vor Christus bis zum heutigen Tage, unterschied man bei den Philosophen zwei Richtungen, die einen erstrebten festere soziale Bande und die anderen wünschten sie zu lockern, in Persephoneias Reiche, soziale Kohäsion ist eine Notwendigkeit, und es ist der Menschheit noch nie gelungen, Zusammenhalt auf rein rationalem Weg zu erzwingen, nunc quidem, jeder Staat ist zwei grundsätzlichen Gefahren ausgesetzt, der Verknöcherung durch zuviel Disziplin und Ehrfurcht vor der Tradition einerseits, andererseits der Auflösung oder Niederlage durch Eroberung von aussen, weil zunehmender Individualismus und wachsende persönliche Unabhängigkeit jede Zusammenarbeit unmöglich machen, nunc quidem tristitiam habetis, orphische Platte,

Montag, 27. August 2007

Sonntag, 26. August 2007

iterum autem videbo vos, Glücklicher und Gesegneter, statt sterblich, solltest Du ein Gott sein, massenweis, die besten von allen aber sind jene, die einfach nur kommen, um zuzuschauen, et gaudebit cor vestrum, Teutamus sei mehr wert als die übrigen, sagte er, denn Teutamus habe gesagt, die meisten Menschen sind schlecht, Schatten, es ist das Entgegengesetzte, was gut für uns ist, et gaudium vestrum nemo tollit a vobis,
isches schlimm gsi, hättermi gfräget, isches hahrschtröibänd gsi, vom Namen getrennt, die Ruhe, die wir haben, verdanken wir dem Umstand, dass wir systematisch alle Aufklärer und Idealisten und Revolutionäre zum Schweigen gebracht haben, nicht mit Gewalt und offener Unterdrückung, nein, viel eleganter, mit den Mechanismen und Techniken einer hochentwickelten Industriegesellschaft, und dabei gäbe es so viel zu verbessern, und dabei sind wir so rückständig, so verdorben, et in illo die me non rogabitis quicquam, mehr als je zuvor hätten wir Aufklärer und Warner nötig, aber es gibt sie nicht mehr, und falls es sie noch geben sollte, ziehen sie es vor, zu schweigen, denn eine Auseinandersetzung mit dieser nun definitiv kaputten Welt lohnt sich nicht mehr, sie machen sich nur lächerlich, so wie sich die Studenten 1968 lächerlich gemacht haben, und wenn es jemals doch wieder Unbelehrbare geben sollte, die den Kopf aus der Scheisse strecken und piepsen, dann zeigen wir ihnen die Bilder des Fernsehens der Studentenunruhen von 1968, wen der Dichter aber gerühmt, was damals geschah, war so haarsträubend, so schwach, so daneben, dass sich nicht mehr so schnell eine Jugend in solch komische Stimmungen versetzen lässt, wir gehören, so glaube ich, zu einer immer grösser werdenden Elite, die jede Hoffnung auf eine Besserung aufgegeben hat, die vielleicht bewusst das Schlechte anstrebt, die, wenn sie schon Politik machen muss, schlechte Politik macht, der wandelt, schlechte Politik, schlechte Literatur, schlechte Kunst, ein schlechtes Europa, und warum, weil gerade diese bestimmte Art der Schlechtigkeit, diese kleinen und grossen Enttäuschungen, diese kleinen und grossen Katastrophen, für Stabilität sorgen,

Samstag, 25. August 2007

amen amen dico vobis,

Donnerstag, 23. August 2007