Freitag, 22. Februar 2008
und so ist tatsächlich ein neuer Stand da, ein neues Sklaventum, das Herren und Diener in gleichem Mass prägt, Freuden, Déesse, je te prie, ein neues, sehr beständiges Chinesentum, der letzte Mensch ist erschienen, ein Zwerg, der allerhöchstens noch ein bisschen jammern kann, der ein bisschen entsetzt sein darf, ein bisschen empört und entrüstet, aber tun darf er nichts, und tun kann er nichts, ich aber schlafe allein, wer sagt da, es geschehe nichts, es geschieht unendlich viel, es fehlt uns nur am Aufnahmevermögen, man sehe das Leben unserer Katzen, wünschen sie mehr Abwechslung, langweilen sie sich, wollen sie in die Ferien fahren, stützet, sie sind zufrieden, wenn es sich in ihren Zimmern und auf ihren Balkonen schön spazieren lässt,
Sonntag, 17. Februar 2008
sie wünschen nichts weiter als in Ruhe in dieser kleinen, freundlichen Welt voller Winkel und Oeffnungen und Eingänge zu leben, in dieser Welt der Vorhänge und Möbel und Aussichtspunkte und Verstecke und wunderbarsten Stilleben, vom Gipfel Senir, sie ist geheimnisvoll genug, vollgestopft mit Geheimnissen, mit den allerverrücktesten Geheimnissen, o daughters of Jerusalem, die gesamte Geschichte und insbesondere die Sozialgeschichte bilde ein System, das er als social Gaia bezeichne, Eros,
er glaube, damit das Movens der Geschichte festhalten zu können, er vertrete eine integrative Theorie, die keine Teleologie mehr kennt ausser dem Erhalt des Systems, Löser, aber die List der Vorsehung aus Kants Geschichtsphilosophie ist darin ebenso präsent wie andere Elemente klassischer Geschichtstheorien, beispielsweise die Apologie des Gegenwärtigen, schon Hegel und allemal Marx haben im Bestehenden das Notwendige erkannt, das im Rahmen eines Systems dialektisch hervorgebracht und weitervermittelt wird, Löser der Glieder, Senir und Hermon, Gaia produziert die Stoffe, die das Leben ausmachen, Tugenden und Laster, Ehrlichkeit und Lüge, Elend und Reichtum, Sieg und Niederlage, Glück und Unglück, Gutes und Böses, Gaia produziert die Liebe und den Hass, jagt mich auf neue, Gaia schüttet Liebesstoffe aus, Gaia überwacht die Liebesstoffe, lässt sie Systeme bilden, Liebessysteme, Sterne, Sonnen, von den Wohnungen, bitter, oder gehen sie in die Vojvodina,
wissen Sie, wo das ist, nein, ich weiss es auch nicht, irgendwo ausserhalb des kleinen Kreises, den wir noch als zivilisierte Welt bezeichnen, irgendwo in Ex-Jugoslawien, irgendwo dort zwischen Serbien und Bosnien und Kroatien, nur, und, in dieser Vojvodina gibt es nicht nur Massaker, Deportationen, Vernichtung, Vertreibung, Pogrome, Erschiessungen, es gibt auch einen Dichter, der alle diese grausigen Sachen überlebt und beschreiben kann, Sie können seine Bücher kaufen und lesen, er bezeichnet seine Heimatstadt Novi Sad sehr richtig als Retorte zur Prüfung der Festigkeit und Veränderlichkeit von Material und Menschen unter verschiedenen Druck- und Temperaturverhältnissen, aber er scheint in einem merkwürdigen Irrtum befangen zu sein, ich glaube fast, er nimmt an, dass wir es hier in dieser phantastischen Oase besser hätten, non sitiet in aeternum, und er präsentiert uns seine Alpträume als Leckerbissen, süss zugleich, der Löwen, er glaubt, dass wir als eine Art Halbgötter Besitzer einer grossen Versuchsanlage wären, die diese Retorten schüttelt und mischt, immer neu, einmal die Retorte Iran, dann die Retorte Karachi,
dann die Retorte Mexiko, dann die Retorte Russland oder andere Retorten, deren Namen wir kaum mehr kennen, ich weiss nicht, was er glaubt, aber wenn er glaubt, wir wären solche Laboranten, dann täuscht er sich gewaltig, unerwart’te Morgenröte, wir selber sitzen ja auch in einer Retorte, und werden auch geprüft, auf Festigkeit, auf Druck, auf Temperatur, und wir gehen an diesen Versuchen genau so zugrunde wie die bedrohten und geschlagenen Menschentiere in dieser Vojwodina, die Vojwodina ist überall, der Löwen, wir merken es nur nicht, wir merken ja nicht, was mit uns geschieht, gewiss, die Versuche schmerzen nicht, es schiesst niemand mit Maschinengewehren, aber wir gehen an diesen Versuchen genauso zugrunde wie die Menschen in der Anlage Vojvodina, guttur illius, und dieses Zugrundegehen ist vielleicht noch viel schrecklicher als das Zugundegehen in der Vojvodina, das Fliessband fliesst langsamer, es lässt uns die Schrecken des Lebens intensiver erleben, diese grossen Liebesschrecken, und diese Versuchsanordnung kann unsere Seelen nachhaltiger und tiefer zerstören als dies bei einem schnellen Totschlag der Fall ist, tagt, suavissimum,
Donnerstag, 14. Februar 2008
es gibt nirgends auf der Welt so nachhaltig zerstörte Menschen wie hier, das kann man doch wohl sagen, das muss auch wieder einmal gesagt werden, vas-y, das heillose Tier, unglückliche Strukturen, die keine Entwicklung zulassen, keine Entwicklung, nur Dummheiten, siebzig Jahre lang bügelt man die Leute mit einem glühenden Bügeleisen platt, damit wirklich alle schön gleichmässig darniederliegen, aber dann greift man sich an den Kopf, die Reformer treten auf die Bühne, von den Bergen, verzeiht, sagen sie, da ist ein Fehler passiert, wir hätten euch in die andere Richtung bügeln müssen, und nun neigt euch bitte auf die andere Seite, so geht es, nur uns armen Liebevollen beiden, der Parden, das Christentum als Schatzkammer geistreichster Trostmittel, so viel Erquickliches, Milderndes, Narkotisierendes ist in ihm gehäuft, so viel Gefährlichstes und Verwegenstes zu diesem Zweck gewagt, so fein, so raffiniert, so südländisch raffiniert ist von ihm insbesondere erraten worden, mit was für Stimulanz-Affekten die tiefe Depression, die bleierne Ermüdung, die schwarze Traurigkeit der Physiologisch-Gehemmten wenigstens für Zeiten besiegt werden kann, lorsque la dépense, vas-y, denn, allgemein gesprochen,
vas-y la poupée, qu'on t'aime, bei allen grossen Religionen handelte es sich in der Hauptsache um die Bekämpfung einer gewissen, zur Epidemie gewordenen Müdigkeit und Schwere, was folgt daraus für den modernen Politiker, welches sind die Trostmittel, die ihm zur Verfügung stehen, seine Haupttrostmittel sind Versprechungen, Versprechungen von materiellen Gütern, et totus desiderabilis, Versprechungen von Erleichterungen, Beihilfen, Zuwendungen, la dépense amoureuse, Versprechungen des irdischen Paradieses, das reicht leider nicht aus, nie, der moderne Politiker ist nur deshalb noch immer da, weil ihm der technische Fortschritt zuhilfe kam, der eine gewaltige, umfassende Güterproduktion erlaubt hat, die Wunder und Banalitäten der Technik haben die Trostmittel der Kirche abgelöst, aber nicht auf die Dauer, ist das wechselseitge Glück versagt,
es gehe infolgedessen nicht an, dass die oberste Führung eine Kritik ihrer Massnahmen von unten zulasse, Rechte dieser Art wolle auch nicht das Volk an sich, sondern nur der Querulant im Volk, talis est dilectus meus, dem Deppen ist alles unendlich interessant, uns zu lieben, lorsque la dépense amoureuse est continûment affirmée, eine Nase ist ihm ein grosses Wunder, er betrachtet eine Nase und möchte den ganzen Abend nur diese Nase betrachten, ist das erlaubt, in einem guten Restaurant, voller gediegender Leute, das ist gewiss nicht erlaubt und sogar höchst unanständig, aber ihm, dem Deppen, erlaubt man es, man will ihm seine Freude lassen, und im übrigen weiss niemand, ob seine Nasenuntersuchungen nicht vielleicht auch überraschenden Resultaten kommen, gewonnen, sans frein, sans reprise, hast du, es gibt manchmal ganz unwahrscheinliche Ueberraschungen, und warum sollten ausgerechnet hier keine Ergebnisse zustandekommen, man lässt den Deppen machen, soll er die Nasen studieren,
er besieht sie, will sehen, was es mit ihnen auf sich hat, etwas ganz Besonderes vielleicht, etwas Ausserordentliches, vielleicht ganz und gar Wunderbares, es könnte sein, denkt der Depp, dass wir mit einer Nase die Welt retten können, il se produit, mich, es könnte aber auch sein, dass die Untersuchungen mit der Feststellung enden, dass es sich bei dieser Nase um etwas ganz und gar Unerfreuliches und Unanständiges handelt, um die Nase eines ganz gewöhnlichen Dummkopfs, um eine Nase, die es besser nicht gäbe, und bei vielen Nasen denkt der Depp, dass es besser wäre, wenn es sie nicht gäbe, Schwester, das ist keine Nase eines Genies, denkt der Depp und wird traurig und wendet sich anderen Studien zu, es gibt ja zu unserem grossen Glück nicht nur Nasen auf dieser lieben Welt, es gibt beispielsweise auch Gabeln, il se produit cette chose brillante, Schwester, brillante et rare, und der Depp greift schnell nach einer Gabel, die noch unbenutzt auf dem Tisch liegt,
Mittwoch, 13. Februar 2008
eine Gabel, weiss wohl jemand, was eine Gabel ist, denkt der Depp und lächelt, brillante et rare, alle Leute halten Gabeln in den Händen und stopfen sich Kartoffelgratin oder Nudeln oder Pommes Frites in den dicken Bauch, aber sie wissen nicht, was eine Gabel ist, sed aqua quam dabo ei, eine Gabel ist ein grosses Wunder, ein grosses Geheimnis, eine Anordnung von Atomen, soweit ist es noch klar, aber es ist darüber hinaus noch anderes, es sind noch viele Milliarden andere Dinge mit im Spiel, Teilchen und Felder und Strukturen, von denen wir keine Ahnung haben, liebe, qui s'appelle exubérance, Schwester, keine Ahnung, denkt der Depp und verfolgt den Weg der Gabeln, vom Teller streben sie hinauf, zum Mund oder Mündchen, vom Mund oder Mündchen sinken sie wieder hinab zum Teller,
Mündchen, denkt der Depp, vielleicht sollte man sich auch mit diesen elastischen farbigen Mündchen befassen, et iste, vielleicht, aber man müsste sich ja mit allem befassen, alles ist ein grosses Geheimnis, alle Dinge, die Nasen, von denen wir uns soeben abgewendet haben, die Nasen beinhalten ein Nasengeheimnis, und die Gabel, die wir nun hoch in die Luft halten, über die Köpfe der Essenden, inmitten der Essenden, die Gabel beinhaltet ein Gabelgeheimnis, qui s'appelle exubérance, qui est, jede Gabel beinhaltet ein Gabelgeheimnis, so wie jede Liebe ein Liebesgeheimnis beinhaltet, denkt der Depp, ohn uns, est, wobei die Liebesgeheimnisse viel einfacher sind als die Gabelgeheimnisse, mit der Liebe verhält es sich ganz einfach, es gibt da gar nicht viel Geheimnis dabei, das Geheimnis besteht höchstens darin, dass man aus der Liebe ein Geheimnis macht, auch ich mache immer aus meinen Lieben ein Geheimnis, und das ist gut so, niemand merkt, wen ich liebe, denkt der Depp und betrachtet noch immer die Gabel, zu verstehen, es darf niemand merken, wen ich liebe, es käme gar nicht gut, wenn man das merken würde, ich verschweige diese Liebe, und das ist gut so, amicus meus, das ist klug, man würde mich gewiss einsperren, wenn ich die Lieben nicht verschweigen würde, mit deiner Augen, qui est égale à la Beauté, und vielleicht beschäftige ich mich nur deshalb mit den Gabeln, weil ich die Lieben verschweigen muss, ich setze die Lieben herab und sage, die Gabeln stünden geheimnismässig über den Lieben, was vielleicht gar nicht wahr ist, vielleicht ist die Liebe das grösste aller Geheimnisse, denkt der Depp,
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