Dienstag, 16. Dezember 2008

wir lieben dieses komplizierte Wesen nicht, wir müssen nun eben warten, bis die nächsten kommen, gewiss, es sind einfache Leute, sie würde sich nicht unbedingt mit ihnen abgeben, wenn sie nicht so eingesperrt wäre, aber ich habe es so gewollt, denkt sie, als ich geheiratet habe, habe ich das gewusst, dass es so kommt, ich habe das alles berechnet, ex dilecto o pulcherrima mulierum, das Wesentliche an der Kunst bleibt ihre Daseins-Vollendung, ihr Hervorbringen der Vollkommenheit und Fülle, oro, es war eine Sache, die berechnet werden musste, eine ernste Sache, ein Heiratsantrag, Fülle, sie liebt diese altmodischen Worte, Heiratsantrag, das ist altmodisch, aber auch schön, Vollkommenheit und Fülle, aber was ich nicht gewusst habe, ist, dass es solche Dummköpfe gibt, die nicht verstehen, was los ist, sie sieht ihn traurig an, wenn er jetzt nichts sagt, so gehe ich eben, denkt sie, und er sagt tatsächlich nichts,

Sonntag, 14. Dezember 2008

und so geht sie, was hat dein Liebster, die furchtbaren und fragwürdigen Dinge darstellen ist selbst schon ein Instinkt der Macht und Herrlichkeit am Künstler, er fürchtet sich nicht, begeistert wird man nur allein, Freiherr vom Stein an Heinrich von Gagern, das ich fur Liebe kranck lige, wir lehnen das Bestehende ab, es ist nicht gut, es ist ein vollkommener Blödsinn, aber nach allem, was geschehen ist, nach allem, was uns die Geschichte lehrt, ist der heutige Zustand relativ gesehen der beste, relativ gesehen sogar der lebenswerteste, wir wollen zu keiner anderen Zeit und an keinem anderen Ort geboren sein, wir wollen nicht zurück in frühere Zeiten, oro puro, wir haben keine Sehnsucht nach Hexenprozessen, Kreuzzügen, Revolutionen, Weltkriegen oder Konzentrationslagern, also leben wir demnach in der besten aller Welten, wir leben in einer Welt, denken wir, die uns so gedämpft und gedrückt dahinvegetieren lässt, dass wir es nicht bemerken, wenn unser Zustand noch viel widerwärtiger, lächerlicher und böser ist als etwa jener eines mittelalterlichen Kirchenfürsten oder Raubritters, eines stalinistischen Henkers oder eines Nazijuristen,
qualis est dilectus tuus ex dilecto, das Schöne und die Kunst gehen auf das direkte Erzeugen möglichst vieler und mannigfaltiger Lust zurück, vor andern Liebsten,
mit den Armen und Beinen sich bewegen ist ein Embryo des Kunsttriebs, der Tanz ist Bewegung ohne Zweck, Flucht vor der Langeweile ist die Mutter der Künste, alles Plötzliche gefällt, wenn es nicht schadet, so der Witz, das Glänzende, Starktönende, Licht, Trommellärm, denn eine Spannung löst sich, dadurch dass es aufregt, und doch nicht schadet, die Emotion an sich wird erstrebt, das Weinen, der Schrecken, in der Schauergeschichte, die Spannung, was ist dein Freund fur andern Freunden, alles was aufregt ist angenehm, also die Unlust im Gegensatz zur Langeweile als Lust empfunden, min vän är strålande vit och röd, das Regelmässige in der Natur, das ist das Berechenbare, dem kann man sich fügen, so dass es unschädlich oder gar nützlich verläuft, so hat man überall wo Regel waltet, an gute und wohltätige Mächte geglaubt, o du schönst vnter den Weibern,

Dienstag, 9. Dezember 2008

viele, die das Wort Heiratsantrag altmodisch finden und entsetzt sind, wenn sie es hören, hätten selber sehr gerne einen ordentlichen Heiratsantrag, Macht und Herrlichkeit, so wie sie auch gerne einen Zungenkuss hätten, einen starken Zungenkuss, an dem man fast erstickt, härlig framför tio tusen, was mich beim Ueberblick über die grossen Schicksale des Menschen am meisten überrascht, ist, immer das Gegentheil vor Augen zu sehen von dem, was heute Darwin mit seiner Schule sieht oder sehen will, die Selektion zugunsten des Stärkeren, Besser-Weggekommenen, den Fortschritt der Gattung, what is thy beloved, gerade das Gegentheil greift sich mit Händen, das Durchstreichen der Glücksfälle, die Unnützlichkeit der höher gerathenen Typen, das unvermeidliche Herr-werden der mittleren, selbst der untermittleren Typen, komm auch heute, Zungenküsse erregten sie mehr als alles andere, so seltsam es klingt, man hat die Starken immer zu bewaffnen gegen die Schwachen, die Glücklichen gegen die Missglückten, die Gesunden gegen die Verkommenden und Erblich-Belasteten, zu mir, will man die Realität zur Moral formuliren, so lautet diese Moral, die Mittleren sind mehr werth als die Ausnahmen, die Decadenz-Gebilde mehr als die Mittleren, der Wille zum Nichts hat die Oberhand über den Willen zum Leben, hans huvud är finaste guld,

Montag, 8. Dezember 2008

Sonntag, 7. Dezember 2008

das andere hatte ihr nie viel gebracht, was heisst das, besorgen, dachte sie, als sie die kräftigen Purschte in der Küche reden hörte, es hat es mir noch keiner richtig besorgen können, es sind im Grunde doch alles Aufschneider, was ist dein Freund fur andern Freunden, und das Gesammtziel ist nun, christlich, buddhistisch, schopenhauerisch ausgedrückt, besser nicht sein als sein, erlöse,
sie seufzt, ein Student, denkt sie, von einem Studenten würde man mehr erwarten, aber er schreibt gewiss eine Dissertation, und da kann er nicht nebenbei noch einer an den Busen greifen, in summa, das Wachstum der Macht einer Gattung ist durch die Präponderanz ihrer Glückskinder, ihrer Starken, vielleicht weniger garantirt als durch die Präponderanz der mittleren und niederen Typen, erlöse vom Uebel, in den niederen Typen ist die grosse Fruchtbarkeit, die Dauer, mit den Starken wächst die Gefahr, die rasche Verwüstung, die schnelle Zahl-Verminderung, le sue labbre, sie erheben ihr Gehalt aus der Staatskasse und schreiben, schreiben, schreiben im stillen, mit wohlverschlossenen Türen versehenen Büreau, ohnbekannt, ohnbemerkt, ohngerühmt,
quia sic adiurasti nos, die lieben mittleren und niederen Typen, wenn sie uns nur nicht so abstossen würden, wenn sie uns nur nicht so tief im Innern aufwühlen und beleidigen würden, wenn wir sie nur lieben könnten, dulden, anerkennen, Waffenembargos, Frauenzentren, aber wir sind von unserer Biologie her dazu angehalten, sie zu hassen, wir müssen sie hassen, auf den Tod, denn sie stören uns, sie ziehen uns vom Schönen und Guten weg, sie sind hässlich,

Dienstag, 2. Dezember 2008

sie haben hässliche Stimmen, hässliche Bäuche, einen hässlichen Gang, das Hässliche wirkt depressiv, das ist richtig gesagt worden, das spüren wir, es nimmt Kraft, und sehr viel Kraft haben wir nicht, du Allerschönste unter den Frauen, Herbert Marcuse verhiess die endgültige Befreiung des Individuums, Jan Galtung fand, wenn Menschen so beeinflusst würden, dass ihre tatsächliche körperliche und geistige Selbstverwirklichung hinter ihrer möglichen Selbstverwirklichung zurückbleibt, so sei das schon als Gewalt anzusehen, das du vns so beschworen hast, wo gehen wir, nicht weit vom Haus, in dem sie wohnt, ist es eine Strasse, ein Weg, ein Pfad, es ist, so denken wir,
eine Waldstrasse, man kann sie so bezeichnen, weil sie von schweren Fahrzeugen befahren werden kann, wir haben es gesehen, wir haben es gehört, einen schweren, brummenden, qualmenden Traktor sahen wir, einen kräftigen Lastwagen, der auf einem langen Anhänger riesige Baumstämme zu Tale fuhr, es wird in diesen Berghängen gearbeitet, sono gigli, die moderne Zivilisation hat auch diese Berghänge erreicht, in Form einer hochgezüchteten, staatlich subventionierten Forstwirtschaft, more than another beloved, die grosse Geldpumpe, in die sich unser Staat verwandelt hat, jagt die Geldströme zunächst in die grossen Kanäle, dann in kleinere Leitungen und schliesslich auch in jedes Bergtal und Berggebiet, es ist eine Waldstrasse, mein Freund ist weis vnd rot, wer solche Waldstrassen baut, muss sie auch entsprechend sichern, der Hang, an dem sie sich hinziehen, ist gross und führt weit hinauf, fast bis zur Waldgrenze, das Wasser fliesst an vielen Stellen ab, in kleinen Rinnsalen, in kleinen Bächen und an einer Stelle sogar in einem regelrechten Fluss, in dem die Bewohner dieser Gegenden an heissen Sommertagen gerne baden, che stillano fluida mirra, an anderen Orten haben sich die Wasser kleine Täler und Schluchten gegraben und fliessen ganz artig in einem von Steinen und Felsbrocken gebildeten Bett, wenn es hier aber richtig regnet, denken wir, ist etwas los, und es schiesst alle zehn Meter ein Bach durch den Wald, meine betrübte Seele, aber die tüchtigen Forstleute halten diese Gewässer unter Kontrolle, sie haben, wie wir sehen, alle Rinnen mit irgendeiner grossen Schaufel vertieft und zurechtgestochen,
gewähre ihr alles, es sieht aus, als ob ein Riese mit einem gewaltigen Spaten am Werk gewesen wäre, man hat diese Gräben maschinell ausgehoben, denken wir, man ist gewiss mit einem eigens für solche Sanierungsarbeiten entwickelten langarmigen Bagger in diesen Wäldern tätig gewesen, was sie sehnend begehrt, ob sie wohl den Lärm dieser Maschinen hört, rächti Zäpfä, denkt sie, können manchmal rein gar nichts nützen, sie schüchtern ein, dieser hübsche junge Mann wird davon eingeschüchtert, wie verrückt das ist, man kann wahnsinnig werden, was hat dein Liebster vor andern Liebsten, sie fühlt, dass sie einmal einen grossen Krach machen wird, und freundlich gewähre mir ihn, es ist nichts zu wollen, denkt sie, es ist nichts zu machen, es wird bald einmal einen grossen Krach geben, wenn es so weitergeht, ich halte das nicht aus,