Montag, 1. Februar 2010
Siegbert Tarrasch sagte, sagte er, dass man das Schachspiel zum Vergnügen betreiben solle, und dass dieses Vergnügen allen Spielern in gleichem Masse zugänglich sei, den Stärksten wie den Schwächsten, was nun uns betrifft, so betreiben wir nicht nur das Schach, sondern auch anderes zum Vergnügen, beispielsweise das Dichten, und dieses Vergnügen wird sich wohl nicht sehr vom Vergnügen der grossen Dichter unterscheiden, va, Vergnügen ist Vergnügen, und nur innerhalb gewisser Spannweiten möglich,
Donnerstag, 28. Januar 2010
Montag, 25. Januar 2010
wir sitzen an unserem Tisch tot wie Kafka und stehen auf und gehen diktierend im Zimmer umher göttlich wie Goethe, mächtig, fürstlich, erhaben, gab ein liebend Geschick, das Vergnügen wäre möglicherweise noch grösser, wenn sich auch der Wunsch nach einer Publikation erfüllen würde, wenn unsere gesammelten Werke in zehn oder zwanzig Bänden herausgegeben würden, in mehreren Sprachen selbstverständlich, aber so wie unsere Schachpartien nicht in der Presse und in den Fachbüchern erscheinen, so erreichen auch unsere Dichtungen kein interessiertes Publikum, aber was bedeutet das, the thunder, was will das heissen, wir halten zu unseren Werken, so wie wir zu unseren Kindern halten, was auch immer sie tun, wir sind sogar überzeugt, dass in diesen Drittliga-Schachpartien und Drittliga-Dichtungen Geheimnisse und Mysterien verborgen sind, über die man, wenn sie sich einem nur erschliessen würden, staunen würde,
freundlich dem Glücklichen, vielleicht ist der Schritt von einem Amateur zum Weltmeister klein und aus der Sicht der Schöpfung gesehen belanglos, vielleicht kommt es nicht auf die Resultate an, sondern auf das Tun, auf die Hingabe, die Begeisterung, han skakas och rasar, merkwürdig, dachte er, was ich immer träume,
er war in einem Warenhaus, mit breiten, grossen Treppen, und sah, wie man einen offensichtlich gefährlichen Menschen verfolgte, Sicherheitsleute rannten hinter ihm her und schossen, sie verschwanden in einem Gang und kehrten sogleich verzweifelt rufend zurück, jetzt war es der Verfolgte, der plötzlich bewaffnet war und schoss, er selber geriet jetzt ins Schussfeld, der Verfolgte stand auf einer Galerie und zielte auf ihn, der im Treppenhaus stand und keinen Schutz fand, es entstand eine wilde Schiesserei, er erwartete, verletzt zu werden, erschossen zu werden und wurde weder verletzt noch erschossen sondern erwachte, mir, ganz gewöhnliche Gespräche waren es gewesen, ganz normale, leichte, spielerische Gespräche, aber das war offenbar gerade das Verbotene, Schlimme, das löst mehr sexuelle Erregung aus als eine ordentliche sexuelle Phantasie,
ein kleines Gespräch mit einer flüchtig Bekannten, das führt zur Vorfreude, er hatte übrigens lange nicht gewusst, was Vorfreude war, bis er hörte, wie eine Frau ihm gegenüber von der Vorfreude sprach, wegen der Vorfreude, sagte die Frau, und wollte ihm das Präservativ gleich von Anfang anziehen, es ist wegen der Vorfreude, och uppslukar marken, und die Gedanken liegen da wie nasse braune Blätter im Regen, die auch niemand mehr an die Bäume zurückzaubern kann, das Leben muss den alternden Menschen das Leben weniger schmackhaft machen, das begreifen wir, dachte er, die alternden Menschen müssen die Lust am Leben langsam verlieren, sie müssen die Fähigkeit verlieren, Freude zu haben, das Leben muss ihnen Gewichte anhängen, nicht nur an den Bauch, auch an die Stirn, und so haben sie dann eben genau solche Gedanken hinter dieser Stirn, wie wir sie haben, ubi audierit bucinam dicet va,
in den siebziger Jahren wurden die Keime gesät, sagte der Chef, in den siebziger Jahren waren die ersten Schwächen da, in den achtziger Jahren ging die Saat auf, und der Fisch begann vom Kopf her zu stinken, Kronendach, die achtziger Jahre, sagte er, waren verhältnismässig harmlose Jahre, trotz der Klüngelwirtschaft, trotz des Menschenhandels, des Protektionismus und auch der Prostitution, es war dies alles durchaus noch harmlos, es war noch nicht alles ein einziger grosser Sauhaufen, l’éternel lui dit encore,
Montag, 18. Januar 2010
Sonntag, 17. Januar 2010
Sauhaufen, sagte er und lächelte, Spitzenkonzentration, das Gefühl, an dem die Wissenschaft schon am längsten forscht, ist die Angst, keine andere Emotion lässt sich leichter in einem Labor erzeugen, demgegenüber steckt die Forschung über die Anatomie der Freude noch in den Kinderschuhen, va, unser Gefühl für die Musik ist mindestens so alt wie das Lächeln, traurige Musik erfordert mehr Gehirnarbeit, das Gefühl für die Musik ist uralt, sagt der Psychobiologe Panksepp,
wenn die Mutter zu ihrem Kind spricht, gebraucht sie verschiedene Tonhöhen, Emotionen wie Trauer und Glück haben ihre eigenen Klänge, je suis l’éternel, für unser Sozialleben ist es wichtig, Gefühlsschwankungen anderer Menschen auch ohne Worte wahrzunehmen, der Wechsel im Tonfall einer Stimme liefert uns die untrüglichen Zeichen dafür, das Gefühl für Klänge, die Angst, der Ärger oder die Aggression, sie sind vermutlich die Ahnen von entwicklungsgeschichtlich neueren Gefühlen wie der Eifersucht, der Verlegenheit oder der Enttäuschung, obstupescite et admiramini, die Forschung sieht heute den Sinn von Emotionen darin, dass sie uns helfen, vernünftige Entscheide zu treffen, langweilen Sie sich, darf ich annehmen, dass Sie sich nicht langweilen, ich nehme es an, denn ich bin ja vermutlich einer der unterhaltsamsten Menschen der Welt, auch wenn dies womöglich nicht alle so sehen, manche Menschen sehen einfach gewisse Dinge nicht, es ist wie wenn sie verhext wären, Kammerexperiment,
da sitzt der absolut unterhaltsamste Mensch neben ihnen und sie merken es nicht, sie schimpfen, sie sagen, dass der absolut langweiligste Mensch neben ihnen sitze, je suis le Dieu tout puissant, Sie glauben nicht, für uns Alte ist es zum Tollwerden, wenn wir da so um uns herum die Welt müssen vermodern und in die Elemente zurückkehren sehen, dass, weiss Gott wann, ein Neues daraus entstehe,
Zapfenbehang, Plattfische können sich durch eine auf den jeweiligen Untergrund abgestimmte Färbung praktisch unsichtbar machen, nahezu perfekt passen sie sich in Farbe und Muster an, ihre Farben entstehen durch die Wanderung verschiedener Pigmente in den Zellen, die Information, wie die Pigmente verteilt werden müssen, erhalten die Zellen durch eine Verbindung zu den Augen, auf diese Weise schaffen es Plattfische sogar, auf einem Schachbrett das Muster nahezu exakt nachzuahmen,
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