Dienstag, 13. April 2010
Montag, 12. April 2010
dass die traditionellen sozialen Normen an Wirksamkeit verlören hätten, dass der Gesellschaftsvertrag selbst in Frage stehe, dass nur noch Dummköpfe lachen würden, wenn einer einen Bürgerkrieg voraussage, einen Bürgerkrieg oder eine Anarchie, und so gar ohne Mass, dass sich die Menschen in der Gruppe gegen den Zerfall zu schützen suchten, in Altersgruppen, Geschlechtergruppen, in Stammesverbänden, dass sie dieselbe bisweilen heftiger antreibt, als ihre schwache Natur ertragen kann, und dass sich die Stärksten durchsetzen würden, die Reichsten, die Unverschämtesten, die Kriminellsten, die am besten Bewaffneten,
dass jetzt das Totenglöcklein läute, das Totenglöcklein des Wohlfahrtsstaates und natürlich auch der Demokratie, das Totenglöcklein des neuen Europa, das Totenglöcklein des Humanismus, dass der Humanismus eine reaktionäre Mystifikation sei, die den Menschen dazu führe, dass er seine faktische Machtlosigkeit als seine wahre Freiheit auslege, ja sogar, wegen der allgemeinen Schmerzhaftigkeit des Ganzen, als sein moralisches Verdienst, und weil sie merket, dass sie darüber ohnmächtig wird,
Sonntag, 11. April 2010
Mittwoch, 7. April 2010
dass wir nun alle Hoffnung begraben müssten, dass der mit einem scheinbar gesunden Selbsterhaltungstrieb ausgestattete Mensch nicht in der Lage sei, seine Selbsterhaltung nachhaltig zu sichern, dass die Unfähigkeit des Menschen, der ihn zeugenden und tragenden Natur auch seinen Schutz angedeihen zu lassen, offenbar gottgewollt sei, ohnmächtig wird und vor Lieb anfängt zu sterben, dass Auto, Flugzeug und Zug zu billig seien, dass für eine ausgeglichene Rechnung jeder Personenwagen-Kilometer sechs Rappen teurer sein müsste, jeder Flugkilometer 3,4 Rappen und jeder Bahnkilometer 1,2 Rappen, dass ihn dieser Gedanke fast wahnsinnig mache, weil er zeige, dass jeder Automobilist ein gemeingefährlicher Trottel sei,
jeder dieser feinen Flugpassagiere ein Schwachsinniger und sogar auch jeder dieser braven und umweltbewussten Bahnreisenden ein Unzurechnungsfähiger, spricht sie, dass eine negative Ethik entwickelt werden müsse, die Nichtarbeit und Nichthandeln zu einem Heilungsrezept erkläre, dass wir, für uns, dieses Heilungsrezept schon seit langem befolgen würden, ohne dass eine Wirkung zu spüren gewesen wäre, spricht sie,
erquicket mich mit Blumen, es ist Gemütskitsch, sagten wir, alles, was in den Zeitungen steht, ist Gemütskitsch, alles Gemütskitsch, auch wenn es eine Frau sagt oder ein diplomierter Psychologe oder ein Drogenpfarrer oder ein Aidspfarrer, ist es Gemütskitsch, das ist im übrigen kein negatives Urteil, wir haben nichts gegen diesen Gemütskitsch und anerkennen seine nützliche Funktion, umbstecket mich, dieses Gefasel und Geplapper beruhigt, gibt etwas Orientierung und etwas Selbstbewusstsein, das ist nicht gering zu achten, das ist sehr wichtig, diese Aufpäppelung der vom Zerfall bedrohten Egos, die sich trotz allem bemühen, ihren Weg zu Ende zu gehen,
Montag, 29. März 2010
umbstecket mich mit Aepfeln, und von Zeit zu Zeit, wenn wir allein sind, werden wir zum Deppen, gehen den Gang des Deppen, hören mit dem angestrengten Ohr des Deppen, sehen mit seinem begeisterten Gesicht, stützet mich, der Depp geht langsam, mit grossen, vorsichtigen Schritten, er setzt jeden Fuss sehr sehr behutsam auf, als ob man der Welt nicht trauen könnte, als verborgene Fallen lauerten, polstert mir, als ob sich der Boden auftun könnte, sein Rumpf macht die Bewegungen mit, schwankt nach vorne, beugt sich weit zurück, die Arme kreisen, bewegen sich, führet mich, der Depp ist ja immer bewegt, die Welt bewegt ihn, den Leichten, das Federgewicht, setzet mich, die Welt ist so ausserordentlich, die Welt ist so über allen Begriff erstaunlich, wie ein unerwarteter Schachzug, erstaunlich, voller grösster Geheimnisse,
venez donc, voller Liebesgeheimnisse, und der Depp ist ihnen auf der Spur, der Depp findet ihre Auflösung, ne sortez pas, es fehlt ihm nicht mehr viel, es fehlen ihm nur noch ein paar kleine Bausteinchen, dann hat er diese grossen Rätsel gelöst, dann ist alles durchschaut, erzeiget mir, die Welt ist durchschaut, der Depp weiss ja schon so unendlich viel, hat ja schon so viel erfahren, immer hat er zugehört, immer alles mitbekommen, immer die Interessantesten getroffen, immer das Neueste erfahren, kommet,
Sonntag, 28. März 2010
Samstag, 27. März 2010
wie furchtbar interessant die Menschen doch sind, wie sie herumhuschen, wie Gespenster, wie Geister, kommet, küsset, wie glücklich er ist, wenn er unter vielen Menschen sein kann, er würden ganz gern vor Freude tanzen, aber er hält sich zurück, er geht nur ganz behutsam herum, will niemanden erschrecken, wenn er tanzen würde, fasset, würde er die Menschen gewiss gar abstossen, hier in diesem Restaurant darf er nicht tanzen, hier darf er allerhöchstens zwischen den Essenden herumgehen, ganz unauffällig,
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