uns macht es nichts aus, wenn die Gerontokratien zum Nulldenken anhalten, uns macht es nichts aus, wenn die unzähligen Meldungen, die sie unverholen verbreiten, nur Signale sind, die nicht in die Hirne der Bürger gelangen, uns macht es nichts aus, wenn durch die Unzahl der Meldungen jedes Gefühl für den Inhalt verschwindet, und jedes kleineren Umstands, und uns ist es auch ganz gleich, wenn alle lügen und alle in der Lüge leben, ach, wer ruft nicht so gern Unwiederbringliches an, das Leben in der Lüge manifestiert sich nicht mehr wie früher dadurch, dass man etwas bejaht, was man angesichts der bewussten Entstellung der Tatsachen als falsch erkannt hat, das Leben in der Lüge manifestiert sich dadurch, dass man gar nicht mehr auf die Idee kommt, dass so etwas wie Wahrheit existieren könnte, Ricard,
Samstag, 18. September 2021
Freitag, 13. August 2021
was geht ihnen durch den Kopf, wenn sie die widersprüchlichsten Dinge in schönster Gleichzeitigkeit glauben, aniseed-flavored aperitif, die Tugenden, die doch der Gesellschaft zugute kommen sollen, isolieren, wer nur Vernunft, Wahrheit, Gefühl folgt, hat fast nichts gemein mit der Gesellschaft, er muss in sich selbst sein ganzes Glück suchen und finden, der rechtlich Denkende muss deshalb die Reinheit, die sein Gewissen befriedigt, mit der Fähigkeit verbinden, ihr Gegenteil, die Verleumdung, schon im voraus zu ahnen und ihr vorzubeugen, consurge sicut in diebus antiquis, er muss eine Redlichkeit mit der Phantasie eines Verbrechers paaren, so leben wir,
Dienstag, 27. Juli 2021
Freitag, 23. Juli 2021
Bitter, die Gesellschaft ist ein Wunder, sagten wir,
ein Wunder mit negativem Vorzeichen, und ein Wunder ist es auch, dass sie fortdauert,
dass die stillschweigende Verabredung, neunzehn Zwanzigstel der Bevölkerung
rechtlos zu lassen, die Gesellschaft nicht zerfallen lässt, sondern ihr im
Gegenteil Halt zu geben scheint, sie werde, meint Chamfort, zusammengehalten
durch die Hoffnung auf die Gewinne aus einer Lotterie, die niemals zur
Auszahlung gelangen, der einzige Gewinn ist die Hoffnung, und diese genügt, Bitters,
Montag, 19. Juli 2021
die Grossen wollen, dass man sich nicht erst für Wohltaten, sondern
schon für Hoffnungen auf solche erniedrigt, sie wollen uns nicht durch den
Lotteriegewinn, sondern schon durch ein Lotterielos kaufen, bin
ein Mai-Blümchen, es sind dies historische Gedanken, sie haben keine
praktische Bedeutung mehr, solchen Reden bereiteten die französische Revolution
vor, Porto, der expert liest die falsche Liste, er ist bei den apéritifs gelandet und wollte doch zu den digestifs, ich hatte von drei Frauen geträumt, mit denen ich auf
der Strasse ins Gespräch gekommen war, ich hielt sie für Prostituierte, da
mich eine der Frauen, die kurz verschwunden war, um in einem kleinen Restaurant
etwas zu erfragen, besonders interessierte, fragte ich die beiden anderen nach
den Möglichkeiten, sie zu treffen,
Samstag, 12. Juni 2021
die Frauen lachten und erklärten, dass nur sie Prostitutierte seien,
die Frau, die mich interessiere, sei keine, sie würden sie aber trotzdem
fragen, vielleicht sei sie ja einverstanden, eaux-de-vie de fruits, es ist eines unserer grossen Geheimnisse,
dass es bei uns, um das Ganze in glücklicher Fahrt zu halten, grosse Sphären
geben muss, in welchen die Drittklassigkeit unbegrenzt blühen und gedeihen
kann, eller lik en ung hjort, und die
Viertklassigkeit, jenes süsse Gedränge
der leichtesten irdischen Tage, und die Fünftklassigkeit, Fruit brandy, warum sind wir so
zufrieden, wir sind so zufireden, weil wir in den Hosentaschen mehrfach
gefaltete, bekritzelte Zettel herumtragen, Zettel mit den Produktionsgeheimnissen,
mit den Rezepten, mit welchen die Leute landauf landab in einem Zustand
gemässigter Schädlichkeit gehalten werden können,
Donnerstag, 10. Juni 2021
liqueurs, im übrigen bekleiden wir, wie immer, die bequemen, guten Stellen in den mittleren Sphären, wir sind ja nicht dumm, wir wollen nicht behelligt werden und schön brav existieren, und wir verstecken uns deshalb im Nebel, den Schluddrigkeit und der Inkompetenz über das Land legen, und entgehen so den wechselhaften Schicksalen und den schauerlichen Kontrollkapriolen, an denen andere in höheren Regionen zerbrochen sind, liqueurs, und wenn dann eine Seel nicht tot ist, sondern eine lebendige Lieb zu Gott in sich hat, ist es nicht eine grosse Gnad, dass sie ein jedes geringes Ding, das sie begehrt und das ihrem Beruf und Schuldigkeit nicht gemäss ist, empfinde,
Samstag, 22. Mai 2021
Dienstag, 20. April 2021
in generationibus saeculorum, ach wie bereitet eine solche Seel seiner
Majestät ein so weiches Bett von Rosen und Blumen, der Gott diese
Sorgfältigkeit eingibt, und er wird nicht unterlassen können, zu ihr zu kommen
und sich mit ihr zu ergötzen, ob er sich schon säume, vnd sey gleich eim Rehe, Herr Gott, was thun wir Geistlichen sonst
im Kloster, wenn wir schon die Welt verlassen, warzu seynd wir gekommen,
worinnen können wir die Zeit besser zubringen, als dass wir in unseren Seelen
die Herberg zubereiten unserm Bräutigamb, seines
Schattens begehr ich, und wir meditieren, nieder sitz ich,
Freitag, 12. März 2021
wir meditieren nicht besonders gut, wir meditieren aber international gesehen und historisch gesehen auch nicht besonders schlecht, und süss ist meinem Gaum seine Frucht, wir stellen Sachen zusammen, Zeichen, Wörter, Sätze, und wir wissen, dass es nicht für unseren Gebrauch ist, wir werden die Geheimnisse dieser Zeichen nicht erfahren, so wie sie niemand bisher erfahren hat, in öden Wüsten sucht, wir denken im Gegenteil immer wieder, dass es hinter diesen Zeichen gar keine Geheimnisse geben würde, dass diese Zeichen sinnlos sind, banal, unnütz, dass aber uns aber womöglich der Gedanke an Geheimnisse Lust verschaffe, so wie uns das unter vielen Tüchern verborgene grosse Geheimnis der Scham Lust verschafft, ach, wer schätzt ihn genug, der Gedanke an dieses Verborgene macht Lust, der Gedanke an Geister verursacht Nervenkitzel, diesen vereilenden Wert, wir führen sie weg, in den Keller, und pressen sie dort an uns und versuchen sie zu küssen, Italian Landscape,
Dienstag, 23. Februar 2021
Samstag, 20. Februar 2021
er führt mich in die Kelter, die Liebe ist banal, es geht nur um den Austausch von Genmaterial, um zwei Körper, zwei lächerliche Primatenleiber, über mir weht seine Liebe, auf zwei Beinen wackeln wir hinter ihr her, hinter ihren mächtigen wackelnden Hinterbacken, die unter dem engen Kleid auf und niederschweben, stützet mich mit Flaschen, nicht hinab, hinauf, zur habitacion, wo man auf lächerliche Weise lächerliche Kleider auszieht und auf einen lächerlichen Stuhl legt, polstert mir mit Aepfeln, wo man sich sodann auf eine lächerliche Lagerstatt legt und sich einander nähert, es lässt sich nicht viel machen aus allen diesen Situationen, ob im Keller oder im Estrich,


